Von der Gründerzeit spricht man Ende des deutsch-französischen Krieges ab etwas 1871 bis hin zum 1.Weltkrieg 1914. Diese Epoche ist dadurch gekennzeichnet, dass man sich auf frühere Baustile wie Gotik, Barock, Renaissance und Klassik zurückbesann, um das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes hervorzuheben. Typisch für Gründerzeitgebäude sind die straßenseitigen Schaufassaden, an denen man mit Verzierungen, Ornamenten, Säulen, Gesimsen, Erkern, Balkonen etc. nicht sparte. Die rückwärtigen Fassaden wurden meist nicht ausgestaltet und bestanden aus verputztem oder unverputztem Mauerwerk.

Charakteristisch für die Gründerbauzeiten sind einschalige ( selten zweischalige ) Wände mit Wanddicken bis etwa 50cm. Im Sockelbereich weisen sie häufig Natursteinmauerwerk zum Schutz vor aufsteigender Bodenfeuchte auf. Die Fassaden sind verputzt oder aus Sichtmauerwerk hergestellt. Das Innere der Gebäude ist geprägt durch meist großzügige offene Grundrisse mit Raumhöhen von etwa 2,80 bis 3,00 m.

Die Gebäude sind voll- oder teilunterkellert und ursprünglich ohne Sohle hergestellt. Die Kellerwände bestehen bis etwa 1900 aus Felsen und Natursteinen und danach aus Ziegeln. Kellerdecken und Geschossdecken bestehen ursprünglich aus Holz. Im frühen 20. Jahrhundert ging man dazu über, die Kellerdecken massiv herzustellen, beispielweise durch Kombinationen aus Stahl und Stein in Form von gemauerten Gewölbedecken.

Die Fundamente ( die Gründung ) bestanden aus Einzel- oder Streifenfundamenten. Zum Ende des 19. Jahrhunderts ging man dazu über, massive Baustoffe zur Gründung zu verwenden. Stampfbeton und Eisenbeton waren zwar schon bekannt, wurden jedoch kaum eingesetzt. Um 1900 bestand die Sohle zwischen den Fundamenten aus dem gewachsenen Boden oder Sand. Gepflasterte Kellerböden stellten bereits einen Fortschritt dar, allerdings keinen Schutz vor aufsteigender Feuchtigkeit. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ging man dann dazu über, zwischen den Fundamenten Stampfbeton oder Estriche einzubauen. Und erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte sich die durchgehende Bodenplatte aus Stahlbeton als Standardlösung für den Wohnungsbau nach und nach durch.

Wände errichtete man unter der Prämisse der Standsicherheit ohne statistische Nachweise nach Erfahrungswerten. Dies führte bei Gebäuden zu über 60 cm dicken Wänden im Erdgeschoss.

1892 entwickelte der Maurermeister Johann Franz Kleine aus Essen eine Massivdecke aus rechteckigen Hohlsteinen, Zementmörtel und einer Bewehrung aus Flachstahl. Diese sogenannte Kleinesche Decke wurde Vorbild für eine große Anzahl von Steindecken und Stahlsteindecken im Wohnungsbau.

Dem Verbundstoff Stahlbeton – damals noch Eisenbeton genannt – brachte man gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch große Zweifel entgegen. Erst mit dem beginnenden 20. Jahrhundert wurden Massivdecken aus Stahlbeton vermehrt eingebaut. Obwohl man wusste, dass die Massivdecke im Vergleich zur Holzbalkendecke fester und dauerhafter ist und vor allem mehr Sicherheit gegen Brand besitzt, wurde sie zunächst nur über dem Keller und unter Bädern und Küchen eingebaut. Erst nach 1945 wurde der Bau von Holzbalkendecken fast völlig eingestellt.